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Weichtiere

Stell dir vor, du bist am Strand und sammelst bunte Muscheln oder beobachtest eine Weinbergschnecke, wie sie gemächlich über einen feuchten Stein kriecht. Oder vielleicht hast du schon mal einen Tintenfisch im Meer gesehen? All diese Tiere gehören zu einer riesigen und faszinierenden Gruppe im Tierreich: den Weichtieren. Sie sind überall zu finden – im Meer, im Süßwasser und an Land. Aber was macht sie eigentlich so besonders? Im folgenden Text gehen wir dieser Frage auf den Grund.

Weichtiere (oder Mollusken, von lateinisch molluscus für „weich“) sind ein Stamm im Tierreich. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie kein Innenskelett aus Knochen und keine segmentierte Körperstruktur haben, wie sie z. B. ein Regenwurm hat.

Weichtiere – Aufbau und die Merkmale

Wie du nun schon weißt, haben Weichtiere keinen Knochenbau (Skelett) im Inneren. Ihr Körper ist weich und wird meist durch eine Schale oder eine dicke Haut geschützt.

Der Grundbauplan der Mollusken

Alle Weichtiere, obwohl sie so unterschiedlich aussehen, haben einen gemeinsamen Grundbauplan, der sich aus vier Hauptteilen zusammensetzt:

1) Kopf-Fuß: enthält den Kopf mit Sinnesorganen und Gehirn sowie den muskulösen Fuß, der zur Fortbewegung dient (Kriechen bei Schnecken, Graben bei Muscheln, Schwimmen bei Tintenfischen)

2) Eingeweidesack: beherbergt die inneren Organe wie Verdauungs-, Kreislauf- und Exkretionsorgane

3) Mantel: umschließt den Eingeweidesack, bildet ggf. die Schale und grenzt die Mantelhöhle ab, in der Kiemen und Exkretionsöffnungen liegen

4) Mantelhöhle: Raum zwischen Mantel und Eingeweidesack, in dem Kiemen, Ausscheidungs- und Fortpflanzungsorgane liegen

Die Schale als Schutz

Viele Weichtiere besitzen eine schützende, harte Schale, die sie mithilfe des Mantels aus Kalk (Calciumcarbonat) aufbauen. Diese Schale dient dem Schutz vor Fressfeinden und bei Landschnecken auch vor dem Austrocknen. Bei einigen Gruppen, wie den Tintenfischen, ist die Schale im Laufe der Evolution reduziert oder ganz ins Innere verlagert worden, um sie schneller und beweglicher zu machen.

Klassen der Weichtiere – Eine beeindruckende Vielfalt

Die Weichtiere (Mollusken) sind nach den Gliederfüßern (Insekten, Spinnen etc.) der artenreichste Tierstamm. Sie werden in verschiedene Klassen eingeteilt. Die drei bekanntesten und artenreichsten Klassen schauen wir uns genauer an:

Klasse typischer Vertreter Hauptmerkmale und Lebensraum
Schnecken (Gastropoda) Weinbergschnecke, Posthornschnecke, Nacktschnecke Muskulöser Kriechfuß; meist spiralig gewundenes Gehäuse (außer Nacktschnecken); Kopf mit Tentakeln und Augen; Lebensraum: Land, Süß- und Salzwasser
Muscheln (Bivalvia) Miesmuschel, Auster, Herzmuschel Zwei Klappen (Schalen), kein ausgeprägter Kopf; Kiemen dienen sowohl der Atmung als auch der Nahrungsaufnahme (Filtration); Lebensraum: meist Meer, einige Arten Süßwasser
Kopffüßer (Cephalopoda) Tintenfisch, Kalmar, Krake Fuß zu Fangarmen/Tentakeln umgebildet; hochentwickeltes Nervensystem und Augen; meist ohne Außenschale (Ausnahme: Nautilus); Lebensraum: ausschließlich Meer; schnelle und aktive Schwimmer

Schnecken (Gastropoda)

Schnecken sind die größte Gruppe der Weichtiere. Sie kommen wirklich überall vor: an Land, im Süßwasser und im Meer. Ihre auffälligsten Merkmale sind:

  • Der muskulöse Kriechfuß, mit dem sie sich langsam fortbewegen.
  • Das oft spiralig aufgewundene Gehäuse (z. B. bei der Weinbergschnecke), das sie beispielsweise bei Gefahr als Rückzugsort nutzen können.
  • Die Radula zum Zerkleinern der Nahrung.

Die Radula oder Raspelzunge ist typisch für Schnecken. Es handelt sich um eine hornige, mit Zähnchen besetzte Zunge, die wie eine Feile zum Abraspeln von Nahrung (z. B. Algen von Steinen) genutzt wird.

Weichtier_Weinbergschnecke

Die Atmung ist eng an den Lebensraum gekoppelt:

  • Kiemenschnecken (im Wasser) atmen über Kiemen in der Mantelhöhle.
  • Lungenschnecken (an Land) haben ihre Kiemen reduziert und eine einfache Lunge in der Mantelhöhle ausgebildet, um Luftsauerstoff aufzunehmen.

Beispiele:

  • Weinbergschnecke: eine Lungenschnecke, die in Mitteleuropa verbreitet ist
  • Posthornschnecke: eine Süßwasserschnecke mit einer scheibenförmigen Schale
  • Meeresschnecken: Viele Arten leben in den Ozeanen, von winzig bis riesig.

Muscheln (Bivalvia)

Muscheln haben ein sehr spezielles Aussehen, da ihr Körper von zwei Schalenklappen umschlossen wird, die über ein Schloss und Bänder miteinander verbunden sind.

  • Sie haben keinen ausgeprägten Kopf.
  • Sie leben fast alle im Wasser (Meer oder Süßwasser) und ernähren sich als Filtrierer, indem sie Wasser ansaugen und kleinste Nahrungspartikel (Plankton) herausfiltern.
  • Ihr Fuß dient oft zum Eingraben in den Meeresboden.

Beispiele:

  • Miesmuschel: weltweit verbreitet, wird oft verzehrt
  • Auster: Bekannt für die Bildung von Perlen, wenn ein Fremdkörper in die Schale eindringt.

Weichtier_Auster

Kopffüßer (Cephalopoda)

Kopffüßer wie Tintenfische sind die intelligentesten und am weitesten entwickelten Weichtiere. Sie sind ausschließlich im Meer zu finden.

Hier siehst du einen Tiefsee-Kalmar:

Weichtier_Kalmare

  • Ihr Fuß ist zu Fangarmen (Tentakeln) umgebildet, die oft Saugnäpfe besitzen.
  • Sie besitzen hochentwickelte Kameraaugen, die denen von Wirbeltieren ähneln.
  • Die meisten Arten haben keine Außenschale mehr, sondern besitzen oft einen inneren Stützapparat (beim Tintenfisch nennt man ihn Schulp).

Besonderheiten:

  • Sie können zur schnellen Fortbewegung das Rückstoßprinzip nutzen, indem sie Wasser aus der Mantelhöhle pressen.
  • Viele können zur Tarnung ihre Hautfarbe schnell wechseln und eine Tintenwolke ausstoßen, um Feinde zu verwirren.

Vielfalt und Anpassungen in den Lebensräumen

Wie bereits angedeutet, zeigen Weichtiere enorme Anpassungsleistungen, die es ihnen ermöglichen, fast jeden Lebensraum zu besiedeln:

  • Land: Schnecken (z. B. Nackt- und Weinbergschnecken) mussten Mechanismen gegen das Austrocknen entwickeln. Dabei haben sie ihre Kiemen stark zurückgebildet und stattdessen eine Lunge in der Mantelhöhle ausgebildet. Feuchte Lebensräume und die schützende Kalkschale unterstützen sie zusätzlich.
  • Süßwasser: Viele Schnecken- und Muschelarten sind hier anzutreffen. Sie besitzen spezielle Mechanismen zur Osmoregulation (Ausgleich von Wasser- und Salzhaushalt), um den Salzhaushalt in der Umgebung mit niedrigem Salzgehalt zu kontrollieren.
  • Meer: Das Meer bietet die größte Vielfalt an Weichtieren. Muscheln können sich mit Fäden festheften, damit sie nicht weggespült werden. Diese Fäden heißen Byssusfäden. Tintenfische nutzen ihre Beweglichkeit, Tentakel und hohe Intelligenz, um als aktive Jäger zu leben.

Ökologische Rolle

Weichtiere übernehmen vielfältige Aufgaben in ihren Ökosystemen:

  • Filtrierer: Muscheln filtern Plankton und Schwebstoffe aus dem Wasser und tragen so entscheidend zur Wasserreinigung und Nährstoffverteilung bei.
  • Destruenten: Viele Schnecken fressen abgestorbene Pflanzenteile, Algen und Mikroorganismen und unterstützen damit den Abbau von organischem Material.
  • Räuber: Tintenfische jagen Fische, Krebstiere und andere Weichtiere und regulieren so Bestände im marinen Nahrungsnetz.

Die große Anpassungsfähigkeit und Vielfalt der Weichtiere macht sie zu einer der erfolgreichsten Tiergruppen überhaupt.

Ausblick – Das lernst du nach Weichtiere

Aufbauend auf diesen Grundlagen kannst du dich mit weiteren Themen wie der Systematik der Wirbellosen oder mit der Unterscheidung zu Wirbeltieren auseinandersetzen.

Zusammenfassung zum Thema Weichtiere

  • Weichtiere (Mollusken) sind ein artenreicher Tierstamm ohne Innenskelett und mit weichem Körper.
  • Ihr Grundbauplan besteht aus Kopf, Fuß, Eingeweidesack, Mantel und Mantelhöhle. Viele besitzen eine Kalkschale als Schutz.
  • Die wichtigsten Klassen sind Schnecken (Land, Meer, Süßwasser; oft spiraliges Gehäuse), Muscheln (Meer, Süßwasser; zwei Schalenklappen; filtrieren Wasser) und Kopffüßer (Meer; Tentakel; hochentwickelt).
  • Sie haben eine große ökologische Bedeutung als Filtrierer, Räuber und Teil der Nahrungskette.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Weichtiere

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